- Kirche
- Essen
- Gedichte
- Weihnachtslieder
- Bescherung
- Glühwein ;-)
Mit Flug kommen wir ungefähr auf gut 3000km Strecke, die wir zurückgelegt haben.

Kappadokien (=Land der schönen Pferde)
Das letzte Wochenende hatte ich mit 11 Kommilitonen noch genutzt um einen kurzen Ausflug nach Kappadokien zu unternehmen. Die Busreise mit 4 ½ Stunden war recht kurz und da wir nicht in der Hauptsaison unterwegs waren, sind wir sehr günstig untergekommen. Unsere Pension war zentral gelegen und unsere Zimmer waren Höhlen. Diese sollte einem das Gefühl verleihen in den Berg gehauene Höhlen zu wohnen. Wir mussten uns aber nicht, wie vor hunderten Jahren, aus unserem Glauben von den Römer oder Angreifern verstecken. Die Region Kappadokien ist sehr alt und gehört heute zum UNESCO Weltkulturerbe. Die über die Jahrhunderte geformte einzigartige Landschaft ist Magnet für viele Touristen. Selbst George Lukas hatte hier ohne Probleme einen seiner Star Wars Filme drehen können und jeder würde denken, dass es sich dabei um einen fremden Planeten handelt.
Samstag hatten wir uns einen eigenen Minibus mit Fahrer gemietet. Der fuhr uns überall hin und wir konnten uns bei zahlreichen Stationen wie Love Valley, unterirdischen Städten, Burgen, Töpfereien oder Märkten so viel Zeit lassen wie wir wollten. In der Töpferei war ich ein bisschen zu vorlaut und musste dann meine Töpferkunst selbst unter Beweis stellen. Für einen Anfänger habe ich mich wohl ganz gut geschlagen, obwohl ich danach selbst nicht sagen konnte was mein Kunstwerk, Tasse oder Vase, eigentlich darstellen sollte.
Den Abend haben wir mit einem Vier-Gänge Menü und einem Besuch im „Weinkeller“ ausklingen lassen. Leider war ich in Kappadokien vom Wein und unsrer Weinprobe maßlos enttäuscht. Obwohl wir türkisch sprechende Kommilitonen dabei hatten, wollte/konnte uns der Herr des Weingutes nichts erzählen.
Sonntag unternahm ich mit einigen anderen eine Quad Tour. Die Landschaft hier mit ihren staubigen Boden ist ideal für einen Quad Ausflug. Da kann man mit seiner Maschine richtig über Schanzen springen und das sliden macht herrlich Spaß.
Insgesamt ein klein, aber sehr feiner AusflugBeyram Woche / Zuckerfest
Teil I: Izmir
Es gab zwar diese Woche Uni-technisch einiges aufzuholen, aber die letzte Woche war es alle mal wert. Wir starteten in unsere Westküstenreise am Freitag (26.9.) nachts. Mit dem günstigen (ca. 22 Euro) und „bequemen“ Reisebus ging es ans 9 Std. entfernte Izmir.
Ohne einen großen Plan vorgenommen zu haben starteten wir 9 Austauschstudenten mit der Absicht Izmir, Ephesus und Pamukkale unsicher zu machen. Die Gesamtdauer der Busfahrten betrug etwa 23 Stunden. Auf unten zu sehender Karte habe ich unsere Route eingezeichnet (etwa 2000 km).
Freitag, 26.9, 22.45 Uhr: Wir steigen in den Bus, der uns von den Wohnheimen zum großen Bus-Terminal in Ankara bringen wird. Er ist brechend voll, auch deshalb, weil jeder Mitfahrer zusätzlichen Platz für sein Gepäck benötigt. Denn auf Reisen sind nicht nur wir, sondern auch viele Türken, die über das große Bayram-Zuckerfest (das zweitheiligste Fest im Islam) nach Hause fahren, um mit ihren Familien zu feiern.
Der Asti-Busterminal, den wir gegen 23.10 Uhr erreichen, ist ebenso zum Platzen mit Menschen gefüllt. Das riesige, imposante Gebäude, mit zwei Ebenen, auf denen pausenlos Reisebusse ankommen und abfahren ist ein einziger Wuselhaufen voller Reisender, Kioskbetreiber und Angestellter von Busgesellschaften, die versuchen, ihre Restfahrkarten durch laute verbale Werbung an den Mann zu bringen. In der Türkei ist der Bus das wichtigste Verkehrsmittel für Langstreckenreisen, was die Ausmaße des Busbahnhofs begründet. Im Inneren des Gebäudes befinden sich Anzeigetafeln wie in Flughäfen und hunderte kleine Schalter von Busgesellschaften. Dazu nicht nur unzählige Kiosks, sondern auch andere Läden aller Art – vom Buchhandel bis zum Süßwarenspezialisten.
Unserem lobenswerten Orientierungssinn sei Dank finden wir bereits nach wenigen Minuten Marsch durchs Gedränge Abfahrtstor 138. Zumindest ein Teil unserer Gruppe. Der andere wartet seelenruhig vor Tor 38, bis er – durch einen Anruf vom anderen Teil dazu ermuntert – ebenfalls den Weg zu Tor 138 auf sich nimmt, um gerade noch rechtzeitig den Reisebus nach Izmir zu besteigen. Die Busfahrkarte nach Izmir ist unsere einzige Reiseplanung – auf ins Abenteuer!
Die Reise, die so begonnen hatte ging folgendermaßen weiter. Samstag morgen gegen acht Uhr kamen wir in Izmir an und befanden uns erneut in einem großen Busterminal. Der türkischen Lebensweise folgend setzten wir uns erst einmal in ein nahe liegendes Café, tranken Tee und überlegten unser weiteres Vorgehen, während wir unsere Reiseführer durchstöberten. Die Hotels, die unseren Preisvorstellungen entsprachen befanden sich alle im Stadtteil Besmane. Der Weg dorthin war einfach. Denn der Cafékellner führte uns einem seiner Freunde, der Busunternehmer ist und uns in den richtigen Linienbus setzte. In Besmane selbst hatten wir viele kleine Absteigen zur Auswahl. Wir entschieden uns für diejenige, die im Reiseführer empfohlen war („Billig, aber ohne Haken“). Sie lag in einem kleinen Altbau, die Decken in den Zimmern waren fünf Meter hoch und die Einrichtung erinnerte eher an eine schlecht gepflegte Studenten-WG als an ein Hotel. Bei dem Preis (15 Lira = 8 Euro pro Nacht) war uns das gleichgültig. Auch auf warmes Wasser ließ sich drei Tage lang hervorragend verzichten, wie wir am Ende unseres Aufenthalts in Izmir befanden.
Unsere erste Unternehmung war ein ausführlicher Besuch des Basar-Viertels, das direkt um die Ecke lag. Izmir ist trotz seiner Größe wenig touristisch geprägt, was dem Basar nur gut tut. Es gab nämlich neben den üblichen touristischen Einheitssouvenirs viele weitere nette Sachen zu betrachten und natürlich zu erwerben, wenn es nach dem Wunsch der offensiv auftretenden Ladenbesitzer ginge.
Mit prall gefüllten Einkaufstaschen tranken wir im Anschluss eine Weile lang Tee, um am Abend genug Energie zum Fischessen und anschließenden Biertesten an der Uferpromenade zu haben. Unser Hotel lag lediglich 10 Fußminuten vom Meer entfernt – genau die richtige Länge, um nach einem Kneipenaufenthalt an der frischen Luft spazieren zu gehen, dachte ich, als wir in der Nacht durch windige, aber warme Straßen Richtung Hotel liefen.
Der nächste Tag begann mit der Entscheidung, endlich ein türkisches Hamam, das türkische Bad, zu besuchen. Wir folgten einer Empfehlung aus dem Reiseführer und hatten einige Probleme, das in einer kleinen Gasse in einem Hinterhaus versteckte Bad zu finden. Nach Betreten standen wir in einem großen Eingangsraum, der von hölzernen Umkleidekabinen umrandet war. Wir zahlten 20 Lira für das Komplettpaket Bad + Schrubbmassage + Schaummassage und folgten dem entspannt wirkenden Chef mit geschmeidiger Haut in das Bad, welches aus drei etwa 50 Quadratmeter großen Räumen bestand. Zu Beginn wurden wir in die Sauna geschickt und nach 10 Minuten herausgerufen, um die Schrubbmassage über uns ergehen zu lassen. Bei dieser schrubbte der türkische Masseur uns während wir auf einem steinernen „Altar“ lagen mit großer Sorgfalt die oberste Hautschicht vom Laib. Dies fühlte sich besser an als ich vermutet hatte nachdem ich Felix, der vor mir an der Reihe war, bei der Massage beobachtet hatte. Nachdem die grauen, toten, auf der Haut hängenden Hautfetzen unter einer eiskalten Dusche abgeduscht worden waren, war die Schaummassage an der Reihe, die vom Masseur zum Anlass genommen wurde, unsere Körper auf knackende Stellen zu überprüfen. Der Schaummassage folgte eine Gesichts- und Haarwäsche, die vom Masseur in der gewohnt beherzten Art vorgenommen wurde, welcher sich ein Bad im kalten Pool anschloss. Am Ende wurden wir in einige Handtücher gewickelt (Bild) und saßen nachdem wir uns wieder angezogen hatten völlig entspannt in der Eintrittshalle. Im Anschluss war es uns erst einmal nach Tee. So sauber habe ich mich noch nie in meinem Leben gefühlt! Wir haben beschlossen, in Ankara Hamam-Besuche zu einer Regelmäßigkeit werden zu lassen.
Den Rest des Tages verbrachten wir mit der Besichtigung der Ruinen eines alten griechischen Markts in der Innenstadt und mit einer Bootstour in einen anderen Stadtteil, in dem wir zu Abend aßen. Es gab verschiedene Fleisch-Kreationen auf Reis sowie die Teigschiffe „Pide“, mit Käse und Fleisch gefüllt. Während des Ramadan ist es allerdings schwierig, in einem guten Restaurant am Abend unterzukommen, da die halbe Türkei kurz nach Sonnenuntergang die Restaurants bevölkert, um sich bis zu später Stunde die vom Fasten geleerten Mägen wieder vollzuschlagen.
Der nächste Tag lag im Zeichen eines Spaziergangs auf eine Burg mitten in der Stadt. Die Viertel, die wir dorthin passierten waren überaus türkisch, wenn auch recht schmutzig und ein wenig runtergekommen. Schon nach wenigen Minuten des Spazierens konnten wir uns an der Begleitung einiger 3-7-jähriger Türken erfreuen, die geradezu heiß darauf waren, uns den Weg zur Burg zu zeigen. Zu unserer Überraschung führten sie uns tatsächlich zu unserem Ziel, von dem wir die wunderbare Aussicht über die ganze Stadt genossen und eine Fotosession mit einer großen Türkeiflagge veranstalteten (Fotokollage). Im Innenhof der Burg kam es schließlich zu einem Fußballspiel zwischen den Jungs unserer Gruppe gegen anfangs sieben und gegen Ende etwa 20 türkische Jungs, die wie wir hocherfreut über das interessante Spiel waren, das 5:4 für die Türkei endete. Der Köpereinsatz der türkischen Mannschaft auf dem vom Glasscherben übersäten „Spielfeld“ – inklusive Seitfallzieher – war beeindruckend. Im Anschluss an das Spiel tranken wir erst einmal einen Tee.
Zum Abschluss des Tages aßen wir Kumpir – gefüllte Ofenkartoffel – und genossen abschließend den Ausblick, den das Hilton-Hotel im 32.Stockwerk in der Nacht bot. Das dazugehörige Bier erwarben wir jedoch lieber am Kiosk und tranken es im Hotel. Ein Bier im Hilton hätte den Kioskpreis um das zehnfache überstiegen.
Am Dienstag Morgen fuhren wir in einem kleinen Bus etwa 100 Kilometer nach Süden in die Stadt Selcuk nahe der antiken Stadt Ephesus.


Mittlerweile wage ich eine erste Einschätzung der türkischen Kultur hier in Ankara. Ich bin sehr erstaut über die Liberalität der Türken. In Ankara selbst sehe ich kaum Frauen Kopftuch tragen. Es gibt auch einige dich sich nicht an das strenge Fasten des Ramadan (jetzt gerade im September) halten. Während des Ramadan soll der gläubige Muslim bei Tag nichts Essen und Trinken. Das bedeutet, dass viele Muslime um 5 Uhr aufstehen, essen und trinken so viel sie können und dann bis die Sonne unter gegangen ist wieder fasten. Nach meinen ersten Informationen tun sie dies, um zu erfahren, wie es ist, selbst arm zu sein. Ich halte es für bedenklich in so einem heißem Monat (Temperaturen bis 30°C) hier in Ankara während des Tages auf Wasser zu verzichten. Allerdings gibt es auch Ausnahmen für Kinder, Reisende, Kranke oder körperlich schwer arbeitende Menschen. Eindrucksvoll ist gerade die Disziplin mit der Muslime den Ramadan befolgen und bspw kurz vor Sonnenuntergang schon im Restaurant warten, aber keinesfalls mit dem Essen beginnen. Überrascht hat es mich, als mir einige International Students sagten, dass sie selbst, obwohl nicht Muslim, das Fasten im Ramadan ausprobieren möchten. Ein paar wenige mit Erfolg, viele die es abgebrochen haben. In diesem Jahr erstreckt sich der Ramadan über den Monat September. Dies verschiebt sich allerdings jedes Jahr um 10 Tage nach vorne, da der muslimische Kalender etwas kürzer ist.
Wenn man die Türkei besucht und sich wundert, wieso an jeder zweiten Häuserwand eine Türkeifahne hängt oder das Abbild Atatürks Häuserwände ziert, so lohnt es sich dem nachzugehen. Mustafa Kemal dem nach seinem Tode der Beiname Atatürk „Vater der Türken“ verliehen wurde, war der Begründer der modernen Türkei und erster Präsident der Republik Türkei. Der Offizier Atatürk führte sein Land in die Unabhängigkeit und sorgte für die Trennung von Religion und Staat. Er näherte sein Land dem Westen an, unternahm tiefgreifende Strukturreformen und bescherte somit der Türkei einen größeren Fortschritt als seinem muslimischen Nachbarländern. Daneben machte er aus militärisch und organisatorischen Gründen Ankara zur Hauptstadt der Türkei, obwohl Istanbul seit eh und je die ältere und größere Stadt ist. Er legte den ersten Baustein, damit die Türkei zur Brücke zwischen Christen und Muslimen wird. Atatürk wird deshalb so verehrt, weil er die Türkei in die Unabhängigkeit führte, ja erst die Republik Türkei gründete und seinem Land nachhaltigen Wohlstand bescherte. Heute zierte sein Bild jede Geldmünze und jeden Geldschein der türkischen Währung. In unzähligen Städten befinden sich Atatürk Statuen und in fast allen öffentlichen Gebäuden ist seine Büste zu finden. Noch heute steht es unter Strafe herabsetzend über Atatürk zu reden.
Daher besuchten wir am Dienstag das Atatürk Mausoleum. Dort liegt der Leichnam Atatürks begraben. Diese ganze Anlage ist schon sehr eindrucksvoll. Es stehen Ehrensoldaten an jedem Eingang und, ähnlich wie in London, rühren sich den ganzen Tag nicht. Zwischen den riesigen Steinen im Boden wurde extra mehr Platz gelassen, damit man seinen Kopf senken muss um aufzupassen wo man hin tritt. Damit wird erreicht, dass nach unten sieht und somit symbolisch Atatürk gedenkt.
Die zweite Woche war stark von organisatorischen Erledigungen geprägt. Wir sprachen mit dem Direktor der Wohnheime über Regeln und Pflichten. Der Leiter des Computernetzwerk erklärte uns, was für dürfen und lieber sein lassen sollten. Unsere Coordinators erzählten uns alles wichtige für das Leben auf dem Campus und halfen uns beim Formularausfüllen für zig Anträge und Genehmigungen wie z.B. für die Aufenthaltserlaubnis in der Türkei.
Mittwoch besuchten wir das Museum für Anatolische Zivilisation, in dem wir mehr über die lange Geschichte dieses alten Landes erfuhren. Danach ging es in die Altstadt von Ankara und dort besuchten wir die Schlossruinen von dem man eine wunderbare Aussicht auf die ganze Stadt hatte. Abends gab es einen Workshop „Turkey’s foreign and security policies“ mit dem Professor aus dem Fachbereich International Relations.
Unter der Woche trafen wir uns mit unsrem Koordinator des Department Economics und besprachen mit ihm alle wichtigen und formalen Angelegenheiten. Der Universitätsbetrieb beschränkt sich glücklicherweise noch auf Einführungsveranstaltungen, die Beschaffung von Lehrbücher, Economic Papers und Lehrmaterial, sowie den Ablauf und Prüfungsmodalitäten der einzelnen Kurse kennen zu lernen und natürlich Türkisch lernen.
Der Freitag Vormittag ging ausschließlich für die Aufenthaltsgenehmigung drauf, die wir im Polizeipräsidium in Ankara beantragen mussten. Das heißt lange warten und anstehen!
Als Lohn für diese anstrengende Woche startet Freitag Abends unsere Exkursion nach Kas ans Mittelmeer.