Ich stecke nun wieder voll und ganz im Universitätsalltag. Meine Assignments, Hausaufgaben, Hausarbeiten und Literaturrecherche halten mich auf Trapp. Hier an der Bilkent University höre ich sechs Kurse von denen einer ein Türkischsprachkurs mit 5 Std. pro Woche ist. Ansonsten gibt es hier im Gegensatz zu Mannheim nur Vorlesungen und keine Tutorien oder Übungen. Diese werden dann informell von den Doktoranten der jeweiligen Lehrstühle angeboten.
Mit meinen Professoren bin ich durch die Bank zufrieden. Alle sprechen gutes Englisch und man merkt, dass die meisten in Amerika studiert haben und dort ihren Ph.D. (Doktortitel) erworben haben. Der Unterricht ist meist sehr interessant und nicht nur theoretisch ausgerichtet, denn die Professoren hier haben zumeist vorher auch für Wirtschaft, Regierung oder auf anderen Gebieten außer der Wissenschaft gearbeitet. Der Kurs besteht meist aus nicht mehr als 30 Teilnehmern, was eine direkte Mitarbeit sehr befördert und von den Professoren sehr eingefordert wird. In meinem kleinsten Kurs sind wir nur 12 Studenten und davon 3 internationale Studenten. Einige wenige Professoren halten teilweise auch nur ein oder zwei Kurse an der Uni und arbeiten Vollzeit in anderen Bereichen wie Türkische Zentralbank, Think Tanks oder in der Finanzbranche. Da macht sich bemerkbar, dass es sich bei der Bilkent University um eine Privatuniversität (in der Türkei oftmals besser ausgestattet und renommierter als staatliche Unis) handelt. Professoren haben hier mehr Freiheiten und müssen sich weniger als in Deutschland um formale Angelegenheiten kümmern. Mein Departmentcoordinator für Economics hat sich schon lustig gemacht, wie viele Unterschriften wir den noch für Learning Agreement, Certificat of Arrival usw. brauchen.
Meine Aufnahme bei meinen türkischen Kommilitonen und Professoren war sehr herzlich. Sie sind sehr an uns internationalen Studenten interessiert, so dass ich mich in der ersten Vorlesung vor versammeltem Auditorium erst mal vorstellen musste. Die Professoren haben mich richtig gelöchert, aber daran habe ich mich schon gewöhnt. Man fällt hier auch in der Türkei immer als Ausländer (gerade ich groß gewachsener Deutscher) auf und es kann passieren, dass man mal angestarrt wird.
Das Lernen hier an der Universität gestalten sich anders als in Mannheim. Hier muss ich jede Woche Essays (Hausarbeiten) schreiben. Meine Hausaufgaben gebe ich in der nächsten Vorlesung bei dem Professor ab, die von ihm korrigiert und benotet werden. Es kann passieren, dass wir aus dem stegreif Quizzes schreiben müssen, die auch benotet werden. Es wird alles dafür getan, dass man im Unterricht mit arbeitet und kontinuierlich lernt. So gibt es nicht nur eine Endklausur sondern je nach Fach auch 1-2 Midterm Klausuren die gut und gerne 1/3 der Abschlussnote ausmachen. In einem Fach muss ich am 25. Dezember(!) eine Präsentation halten und mich in der Gruppenarbeit mit türkischen Studenten beweisen.
Ich habe es sogar geschafft, mir die nötigen Bücher – die hier selten im Original erworben sondern lieber komplett für 6 Euro kopiert werden - zu besorgen. Hier wird viel Wert auf Literaturrecherche gelegt, so dass ich häufig in die Bibliothek renne oder Economic Papers im Copyshop ausdrucke.
Da an diesem Wochenende der Ramadan – der muslimische Fastenmonat – endet, ist die nächste Woche frei. Die Muslime feiern ihr Zuckerfest – das wohl bedeutendste und volkstümlichste Fest - genannt Bayram welches drei Tage lang andauert und im Kreis der Familie und Verwandten statt findet. Ich verreise am Abend des 26.9. mit Kommilitonen an das an der Westküste gelegene Izmir. Auf dem Rückweg möchten wir noch ein paar kleinere sehenswürdige Städte wie Ephesus und Pamukkale besichtigen. Wenn übernächste Woche die Vorlesungen weitergehen ist aufgrund der nahenden Mid-Term-Klausuren Ende Oktober einige Arbeit zu erwarten, so dass wir diese Woche sicherlich noch einmal richtig genießen werden. Zumal es mittlerweile in Ankara recht kühl geworden ist. Mittags im Sonnenschein ist es zwar noch sommerliche 25 Grad Celsius, abends kühlt es aber sehr stark ab.
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