Donnerstag, 30. Oktober 2008

Diashow Deutsches Weinfest

Siebte bis neute Woche: 13.10. bis 29.10.

Nun ist nach Protesten hier in der Türkei www.blogger.com wieder frei gegeben. Es hat ein starkes negatives mediales Echo geweckt, da die Türkei so viele ihr unliebsame Internetseiten gesperrt hat. Nun sollen nicht mehr ganze Seiten gesperrt werden, sondern die Betreiber aufgefordert werden bestimmt Inhalte zu entfernen.

Sogar die Süddeutsche Zeitung war es wert darüber einen Artikel zu drucken.
hier klicken.

Was gibt es noch zu berichten.
Meine ersten Mid-Term Klausuren in den letzen Wochen habe ich erfolgreich überstanden. Jetzt werde ich wieder weiter an meinen Gruppenprojekten und Essays arbeiten die großen Arbeits- und Rechercheaufwand bedeuten. Leider muss dafür immer das Türkisch lernen zurück fallen, für das keine / immer weniger Zeit verbleibt.

Letzte Woche Freitag hatten wir einen Termin mit gemeinsamer Diskussion bei der Deutschen Botschaft hier in Ankara. Nachdem uns das sechs Hektar große Gelände (mit eigenen Pferden, Swimmingpool und riesen Gartenanlage) gezeigt und die Geschichte der Botschaft erklärt wurde, diskutierten wir mit dem Militärattaché und einem Diplomaten der politischen Abteilung. Dabei erklärte er uns die Arbeit der Deutschen Botschaft, die aktuelle politische Lage der Türkei und die Beziehungen (meist wirtschaftspolitisch) zwischen Deutschland und Türkei. Es war eine sehr interessante und nette Gesprächsrunde, bei der man sich ein Bild von der Arbeit eines Diplomaten machen konnte.

Heute 29. Oktober war hier Nationalfeiertag in der Türkei. Die Republik Türkei feierte ihren 85. Geburtstag und ich habe mir sagen lassen, dass es eine Militärparade in der Stadt gab.

Der Herbst fängt jetzt auch langsam Einzug zu halten in Ankara. Morgens muss man teilweise mit Pullover oder mal Jacke aus dem Haus gehen. Unter dem Tag hat es noch seine 16°C. Gestern war es das zweite mal, dass es hier in Ankara geregnet hat. Zumindest an die Male, an die ich mich erinnern kann.

Am Samstag auf Sonntag haben die Türken genauso eine Stunde länger schlafen können. Somit sind wir euch immer noch eine Stunde voraus. ;-)

Aufgrund der starken Aufwertung des Dollars hat sich der Kurs zwischen dem Euro und der Neuen Türkischen Lira (YTL) zu meinen Gunsten verändert. Von anfangs September als er noch bei 1,72 stand, ist er jetzt bei 2,12 gelandet. D.h. 1 Euro sind nicht mehr 1,72 YTL, sondern jetzt 2,12 YTL wert. Somit spare ich bei jedem mal Abheben von 200 YTL (ca. 100 Euro) fast 20 Euro im Gegensatz zu Abbuchungen im September. Leider frisst die Inflation von 10%, die man hier teils spürt wieder etwas auf. Burger und Coca Cola aus dem Automat sind um teurer geworden. :-(

Man meint hier in Ankara direkt, dass der Spruch „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ sehr beachtet wird. Nachdem wir hier Oktoberfest feiern durften, gab es am Wochenende ein Weinfest. Dort war ich mit ca. 12 internationalen Kommilitonen, den ich Stolz unseren Frankenwein präsentieren durfte. In der Alten Stadt Ankaras auf der alten Zitadelle wurde in einem schönen Restaurant ein kleines Weinfest von deutschen Frauen mit türkischen Männern organisiert. Mit unsrer Anwesenheit drückten wir den Altersschnitt von 65 Jahren stark nach unten. Eine ältere Dame, die sich um die Organisation des Weinfestes kümmerte, hatte es sich zur Aufgabe gemacht uns den ganzen Abend zu versorgen und zu bemuttern. Erst mal lies sie uns für die Hälfte vom Eintrittspreis (12,50 YTL), denn es gab Büffet, eintreten. Dann durften wir ihren herzhaften Zwiebelblootz mit Schweinespeck (!) genießen und sie versuchte vergebens unsere Nummer bei der Tombola zu ziehen. Wie gesagt durfte ich meinen Kommilitonen unseren Frankenwein vorstellen. Unter der kleinen Auswahl von sechs verschiednen Frankenweinen (meist Müller-Thurgau) hat ihnen der Silvaner am besten gefallen. Nach dem wir uns dann gestärkt hatten, wagten wir uns auf die Tanzfläche. Nach anfänglichen deutschen Schlager konnte man sich beim DJ wünschen was man wollte und er nahm eigentlich nur noch auf uns „jungen Leute“ Rücksicht. Dies war insgesamt ein sehr gemütlicher schöner Abend, bei dem zu letzt die Veranstalterin sich nicht davon abbringen ließ, uns noch Essen in Plastikboxen einzupacken und mit zu geben.
- Für den ersten Advent lud sie uns in die Deutsche Schule zum Weihnachtsmarkt ein. -

Sonntag, 26. Oktober 2008

Türkei sperrt www.Blogger.com

Seit Donnerstag dieser Woche ist die Seite www.Blogger.com in der Türkei gesperrt. Damit sind alle Blogs aus der Türkei nicht mehr zugänglich. Für deutsche User sollte aber noch alles erreichbar sein. Leider hat sich die türkische Regierung zu diesem Schritt entschlossen. Nachdem www.Youtube.com schon seit Anfang Januar 2008 gesperrt wurde, trifft dies jetzt auch auf www.Blogger.com zu. Die Begründung lautet, dass auf diesen Seiten der Staatsgründer Atatürk ("Vater der Türken") beleidigt wird.

Glücklicherweise habe ich es geschafft diese Sperrung zum Teil zu umgehen. In wie weit ich noch alle Dienste des Blogs nutzen kann, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Samstag, 18. Oktober 2008

Diashow Oktoberfest

1. Oktoberfest Ankara 2008

1. Oktoberfest Ankara 2008

Am Freitag den 10.Oktober war ich auf dem 1. Oktoberfest das Ankara jemals gesehen hat (vielleicht auch das letzte). Die Deutsche Botschaft veranstaltete im Rahmen der Deutsch-Türkischen Kulturwoche ein eigenes Oktoberfest auf ihrem Gelände aus. Schon jetzt kann ich sagen, dass dieser Abend eines von vielen Highlights meines Erasmussemester hier in der Türkei war.

Punkt 18 Uhr standen wir vor der Deutschen Botschaft und wurden freundlich vom deutschen Empfangspersonal herein gelassen. Nachdem wir die ersten Fotos geschossen hatten, erblickten wir das Festzelt mitten im großen Botschaftsgarten. Wir waren beeindruckt. Da hat jemand sehr viel Herzblut in die Veranstaltung investiert. Nach dem wir die Gästeliste ins Auge genommen hatten, wussten wir, dass wir unter den 600 geladen Gästen die einzigen internationalen Studenten (ca. 20) waren.
Die 10 Bierzelt Gebote übersetzte ich mal auf Deutsch:
1. Verschütte oder verschwende kein Bier
2. Achte deine Nachbarn – sie haben auch gezahlt
3. Keine Auseinandersetzungen im Zelt – das Personal ist stärker
4. Tanzt auf den Bänken – nicht auf den Tischen
5. Berühre/kuschele mit deiner Frau – mit DEINER Frau
6. Sing mit
7. Sei nett zu der Bedienung – du möchtest weiter bedient werden
8. Wenn du mal musst, dann nutzt das Klo
9. Bei Zweifel, frag das Personal
10. Seh deine Konsequenzen ins Auge

Vom echten Münchner Wiesnwirt, Münchner Kindl, Wiesnbier, Bratwurst, Sauerkraut, halben Hähnchen, Gerupfter, Blasmusik, bayerischen Bedienungen bis zum Anstich, wurde nichts ausgelassen. Um 18.30 Uhr stach unser Wiesnwirt das erste Fass an und überreichte dem Deutschen Botschafter das erste Bier. Somit war das Startzeichen gefallen und das ausschenken konnte losgehen. In Windes eile trugen die vier Münchner Kellnerinnen und 50 türkischen Kellner/innen die ersten Maß Bier an jeden Festteilnehmer, um zusammen anzustoßen zu können. Obwohl das Ausschenken noch nicht so geklappt hat und ziemlich viel Schaum im Bierglas war, konnte uns egal sein, wir konnten so viel trinken wie wir wollten/konnten und einige unserer Dänen nahmen dies wörtlich und griffen gleich zu zwei Bieren. Anschließend verlas der Deutsche Botschafter noch die Grußworte des Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude.

Lange vorher schon habe ich mich auf das Essen auf dem Oktoberfest gefreut – gibt es vielleicht Schwein?! Natürlich nicht, reichlich halbe Hähnchen, Bratwürste (kein Schweinefleisch) und Sauerkraut wurden serviert.
Später gab es auch noch eine Verlosung. Firmen wie die Lufthansa, EADS, KMW, Swissotel, Paulaner...... haben das Oktoberfest gesponsert. Es gab wirklich tolle Preise zu gewinnen. Vom Lahm (Bayern München) Trikot mit Unterschrift oder Fußball mit allen Unterschriften der Bayernspieler bis zur Flugreise nach München wurde so einiges verlost. Um meine Chancen zu erhöhen trieb ich fünf weitere Eintrittskarten auf, die alle mit Platznummern versehen waren. Leider wurde ich nicht gezogen, aber zwei meiner Kommilitonen hatten Glück und gewannen einen echten Oktoberfest Steinkrug.
Anschließend forderte uns die Luftwaffen Musikkapelle auf doch das Tanzbein zu schwingen, dem wir auch folgten. Die Stimmung erlangte wohl ihren Höhepunkt, als wir eine Polonaise durch das Festzelt starteten! Bei so einem Großereignis mussten natürlich zig Kamerateams dabei sein. Die ARD Sendung Brisant zeigte am Samstag einen Bericht über unser Oktoberfest bei dem auch unsere Polonaise zu sehen war. Meine Tanzeinlage wurde wohl leider aus mangelnder Sendezeit wieder herausgeschnitten.

Daneben blieb noch Zeit sich mit vielen interessanten Leuten zu unterhalten. Mit den Botschaftsmitarbeitern habe ich mich über das Leben in der Türkei im Allgemeinen und an der Deutschen Botschaft im speziellen unterhalten. Der britische Botschafter erzählte uns von seinen Erfahrungen. Mit wieder anderen so zum Beispiel vom TüV diskutierten wir über die Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der EU. Darüber hinaus konnten wir vereinbaren in naher Zukunft eine Diskussion mit der Deutschen Botschaft zu vereinbaren in der wir mit deren Vertretern über diplomatische und wirtschaftspolitische Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sprechen. Die Botschaft war darüber sehr erfreut und wir konnten einen Termin für Freitag den 24.10. ausmachen.
Leider war das Oktoberfest um 1 Uhr schon zu Ende und wir wurden doch höflich gebeten weiter zu ziehen. Das taten wir auch und gingen geschlossen mit einigen Jungmusikern der Bundeswehr noch in unsre Stammdisko das IF.

Montag, 13. Oktober 2008

Diashow Pamukkale

Beyram Woche / Zuckerfest - Teil III: Pamukkale

Beyram Woche / Zuckerfest
Teil III: Pamukkale

Nach dreistündiger Busfahrt kamen in der Dunkelheit in Pamukkale an. Unser Hotel hatten wir bereits mündlich gebucht, da der Besitzer unserer Absteige in Selcuk mit dem Besitzer des Hotels in Pamukkale mindestens verschwägert war. Außer einem netten Essen hielt der Abend jedoch keine Highlights bereit.

Berühmt ist Pamukkale durch seine Kalksinterassen, die einen riesigen Hang in eine schneeweiße Landschaft mit türkisen Wasserbecken verwandeln. Sie entstehen durch Kalkablagerungen, die aus warmen Quellen in der Nähe befördert werden. Das Kalk wird fest und das Wasser breitet sich fächerartig über die Abhänge aus, es entstehen, viele kleine Badewannen. So war es zumindest einmal und so ist es noch auf den Bildern von Pamukkale, die in jeder zweiten deutschen Dönerbude zu finden sind. Im Laufe der 70er und 80er Jahre bauten die Touristikunternehmer massenhaft Hotels oberhalb der Terassen, die dort die warmen Quellen anzapften. Des Weiteren war es den Touristen erlaubt, sich auf den Terrassen frei zu bewegen und zu baden, was nur so lange gut ging, bis die Touristen zu tausenden kamen. Als die Kalkterrassen zu verschwinden und sich abzunutzen begannen blieben auch die Touristen aus. Vor acht Jahren hat man das letzte Hotel oberhalb der Terrassen abgerissen und versucht sie langsam wieder in den alten Zustand zu versetzten, was an Teilen des Hanges schon gelungen ist. Die Besucher, die wieder vermehrt kommen und 20 Lira Eintritt für das Betreten der Terrassen berappen müssen (kein Studentenrabatt) wandern einen vorgegebenen Pfad den Berg herauf und herunter. Die Becken mit dem türkisen Wasser, die sich dort befinden sind von Beton umrandet. Die Touristen können sich dort ein wenig austoben, ohne die natürlichen Terrassen zu beschädigen. Als ich mir vor Augen führte, dass bis vor zehn Jahren an dieser Stelle eine Busauffahrt durch die Terrassen ging, war ich der Meinung, dass der Ort tatsächlich auf dem Weg der Besserung ist. Auch hier möchte ich nicht in der Hochsaison sein, dachte ich, als ich von Touristen umzingelt in der Mittagssonne barfuss den Pfad hinaufschlenderte und das türkise Wasser meine Füße umspielen ließ. Was interessant ist, ist die hervorragende Eigenschaft des Kalksinns, überhaupt nicht rutschig zu sein. Bei genauerem Hinsehen sah man, dass seine Oberfläche aus vielen kleinen bergauf gerichteten Zacken besteht, was so viel Halt gibt, dass man glauben könnte am Boden festgeschnallt zu sein. Oberhalb der Terrassen bot sich eine wunderschöne Aussicht über das Tal und eine nette Parkanlage zum ausruhen, sowie wieder ausgegrabene Reste einer antiken Stadt.

Anschließend bin ich mit zwei meiner Kommilitonen zum Frisör. Wir wollten uns nun auf die türkische Art und Weise rasieren lassen, nachdem wir unsren Bartwuchs eine Woche freien Lauf gelassen hatten. Für umgerechnet 2,50 Euro bekommt das volle Programm. Rassieren mit einer sehr scharfen Rassierklinge, Koteletten wegbrennen (!), Nackenhaare stutzen und sonstigen störenden Härchen entfernen. Tolles Kulturprogramm bei dem man allerdings seinem Barbier vertrauen muss.

Übrigens: Beschwert man sich in Pamukkale im Restaurant über mangelnde Qualität der Speisen wird man mit Wein aus der Region entschädigt.

Die Rückfahrt nach Ankara dauerte etwa acht Stunden, im Bus vertrieben wir uns die Zeit mit Skat-Spielen, Film-Pantomime und Schlafen. Die Bewirtung durch die Busangestellten ist übrigens vorzüglich. Ständig reicht der Garzon Kaffee, Tee, Wasser und natürlich haufenweise Erfrischungstücher oder gleich Erfrischungswasser aus der Flasche („Kolonia“). Wohlbehalten erreichte ich um Mitternacht mein Zimmer im Wohnheim auf dem Bilkent-Kampus und war sehr froh, in der vergangenen Woche eine solch nette Reise durch dieses sehr vielseitige Land unternommen zu haben.

Samstag, 11. Oktober 2008

Diashow Ephesus

Beyram Woche / Zuckerfest - Teil II: Ephesus

Beyram Woche / Zuckerfest
Teil II: Ephesus
Da es unserem Urlaub nicht an kulturhistorischen Entdeckungsreisen mangeln sollte, führte für uns kein Weg an Ephesus vorbei, einer der Touristenattraktionen überhaupt in der Türkei. Ephesus ist eine antike Stadt, die ihre Blütezeit für mehr als 2000 Jahren hatte. Damals zählte sie für die damalige Zeit unglaubliche 250.000 Einwohner und lag noch am Meer, welches heute etwa 5 km entfernt ist. Doch ging die antike Metropole im Laufe der Zeit nieder. Erst vor 100 Jahren wurden ihre Überreste ausgegraben und liebevoll wieder zusammengesetzt, um heute Millionen Touristen durch das Gelände schicken zu können. Selcuk ist ein kleinerer Ort etwa 5 km außerhalb von Ephesus, der sehr touristisch geprägt ist und seine Existenz wahrscheinlich ausschließlich der Existenz Ephesus’ zu verdanken hat. Er besteht hauptsächlich aus Hotels, Bars, Restaurants und Souvenirläden. Das Preisniveau war verglichen mit Ankara dennoch recht niedrig.
Es war weniger als eine halbe Minute vergangen, seit wir aus dem Minibus in Selcuk ausgestiegen waren, als uns bereits einige Hotelbesitzer belagerten, um uns zum „Special Price“ in ihr Hotel zu locken. Wir nahmen erste Angebot an, das sich gar als ein gutes herausstellte.
Dem Ausmaß der Attraktion Ephesus’ und dem sommerlichen Wetter Rechnung tragend war unser erster Wille, uns am Strand auszuruhen. Gegen Nachmittag erreichten wir diesen. Das Wasser war warm, der Strand menschenleer und sehr schön. Zu allseits großer Freude trafen wir zudem noch mit einer weiteren Gruppe Austauschstudenten unserer Universität zusammen, die eine ähnliche Reiseroute wie wir, nur andersherum, gewählt hatten. Ich fand es wirklich schön, Ende September noch einmal im Meer baden zu können.

Nach diesem anstrengenden Nachmittag am Strand war es bereits zu spät, Ephesus zu besuchen. Also gingen wir lieber in ein Restaurant, dass uns von der anderen Gruppe empfohlen worden war.
Dort gab es Tavuk-Döner (Brot mit Huhnfleisch und Zwiebeln gefüllt) für 1,5 Lira (etwa 80 Eurocent). Wir aßen so viele Tavuk-Döner, bis der Wirt kein Huhn mehr hatte. Drum gingen wir weiter in eine Kneipe. Ich brachte den Vorschlag in die Runde ein, doch einmal das Spiel „Mafia“ zu spielen. Bis wir aus der Kneipe befegt wurden führten wir hitzige Diskussionen über mutmaßliche Mörder, Kommissare und ungeklärte Morde und lachten herzlich.

Früh aufgestanden nahmen wir unseren mit dem Hotelbesitzer ausgehandelten kostenlosen Transfer in einem VW-Bus nach Ephesus wahr. Zu unserer Enttäuschung galt der Studentenrabatt für das Ausgrabungsgelände nur für türkische Studenten. Mit dem Gefühl, leicht diskriminiert geworden zu sein berappten wir 20 Lira für den Eintritt sowie 5 weitere für eine Hör-Tour durch das Gelände. Obwohl die Saison längst gelaufen war, war schon der Eingangsbereich mit vielen touristischen Stereotypen gefüllt. Im Sommer möchte ich nicht gerne hier sein, dachte ich als ich aufgrund der Hitze zu schwitzen begann und aufpassen musste, niemandem auf die Füße zu treten. Das gesamte Gelände ist sehr groß – zum Durchqueren benötigten wir etwa drei Stunden. Teilweise fühlte ich mich durch die schönen, teils sehr gut erhaltenen Ruinen sehr gut in die Antike zurückversetzt. Vor allem das große Amphitheater (24.000 Plätze) imponierte mir und ich überlegte mir, welche Art von Schauspiel hier wohl gegeben wurde und wie es war ein solches in diesem beeindruckenden Halbrund zu erleben. Alles in Allem gefiel mir das Gelände auch wegen seiner netten natürlichen Umgebung sehr gut, so dass ich den Ausflug durchaus als lohnenswert empfand.
Schon am Nachmittag war dieser Teil der Reise mit unserer Abreise nach Pamukkale beendet, natürlich erst, nachdem wir uns ausführlich mit Tavuk-Döner gestärkt hatten.

Freitag, 10. Oktober 2008

Diashow Izmir


Nachdem mir der Anbieter Flickr, bei dem ich bisher meine Webalben online veröffentlichen könnte, nicht gestattet mehr als 3 Alben zu erstellen, bin ich nun zu Picasa gewechselt.

Ihr könnte euch aber wie gewohnt die Diashow ansehen, indem ihr auf das Bild oben klickt.

Beyram Woche / Zuckerfest - Teil I: Izmir

Beyram Woche / Zuckerfest

Teil I: Izmir

Es gab zwar diese Woche Uni-technisch einiges aufzuholen, aber die letzte Woche war es alle mal wert. Wir starteten in unsere Westküstenreise am Freitag (26.9.) nachts. Mit dem günstigen (ca. 22 Euro) und „bequemen“ Reisebus ging es ans 9 Std. entfernte Izmir.

Ohne einen großen Plan vorgenommen zu haben starteten wir 9 Austauschstudenten mit der Absicht Izmir, Ephesus und Pamukkale unsicher zu machen. Die Gesamtdauer der Busfahrten betrug etwa 23 Stunden. Auf unten zu sehender Karte habe ich unsere Route eingezeichnet (etwa 2000 km).

Freitag, 26.9, 22.45 Uhr: Wir steigen in den Bus, der uns von den Wohnheimen zum großen Bus-Terminal in Ankara bringen wird. Er ist brechend voll, auch deshalb, weil jeder Mitfahrer zusätzlichen Platz für sein Gepäck benötigt. Denn auf Reisen sind nicht nur wir, sondern auch viele Türken, die über das große Bayram-Zuckerfest (das zweitheiligste Fest im Islam) nach Hause fahren, um mit ihren Familien zu feiern.

Der Asti-Busterminal, den wir gegen 23.10 Uhr erreichen, ist ebenso zum Platzen mit Menschen gefüllt. Das riesige, imposante Gebäude, mit zwei Ebenen, auf denen pausenlos Reisebusse ankommen und abfahren ist ein einziger Wuselhaufen voller Reisender, Kioskbetreiber und Angestellter von Busgesellschaften, die versuchen, ihre Restfahrkarten durch laute verbale Werbung an den Mann zu bringen. In der Türkei ist der Bus das wichtigste Verkehrsmittel für Langstreckenreisen, was die Ausmaße des Busbahnhofs begründet. Im Inneren des Gebäudes befinden sich Anzeigetafeln wie in Flughäfen und hunderte kleine Schalter von Busgesellschaften. Dazu nicht nur unzählige Kiosks, sondern auch andere Läden aller Art – vom Buchhandel bis zum Süßwarenspezialisten.

Unserem lobenswerten Orientierungssinn sei Dank finden wir bereits nach wenigen Minuten Marsch durchs Gedränge Abfahrtstor 138. Zumindest ein Teil unserer Gruppe. Der andere wartet seelenruhig vor Tor 38, bis er – durch einen Anruf vom anderen Teil dazu ermuntert – ebenfalls den Weg zu Tor 138 auf sich nimmt, um gerade noch rechtzeitig den Reisebus nach Izmir zu besteigen. Die Busfahrkarte nach Izmir ist unsere einzige Reiseplanung – auf ins Abenteuer!

Die Reise, die so begonnen hatte ging folgendermaßen weiter. Samstag morgen gegen acht Uhr kamen wir in Izmir an und befanden uns erneut in einem großen Busterminal. Der türkischen Lebensweise folgend setzten wir uns erst einmal in ein nahe liegendes Café, tranken Tee und überlegten unser weiteres Vorgehen, während wir unsere Reiseführer durchstöberten. Die Hotels, die unseren Preisvorstellungen entsprachen befanden sich alle im Stadtteil Besmane. Der Weg dorthin war einfach. Denn der Cafékellner führte uns einem seiner Freunde, der Busunternehmer ist und uns in den richtigen Linienbus setzte. In Besmane selbst hatten wir viele kleine Absteigen zur Auswahl. Wir entschieden uns für diejenige, die im Reiseführer empfohlen war („Billig, aber ohne Haken“). Sie lag in einem kleinen Altbau, die Decken in den Zimmern waren fünf Meter hoch und die Einrichtung erinnerte eher an eine schlecht gepflegte Studenten-WG als an ein Hotel. Bei dem Preis (15 Lira = 8 Euro pro Nacht) war uns das gleichgültig. Auch auf warmes Wasser ließ sich drei Tage lang hervorragend verzichten, wie wir am Ende unseres Aufenthalts in Izmir befanden.

Unsere erste Unternehmung war ein ausführlicher Besuch des Basar-Viertels, das direkt um die Ecke lag. Izmir ist trotz seiner Größe wenig touristisch geprägt, was dem Basar nur gut tut. Es gab nämlich neben den üblichen touristischen Einheitssouvenirs viele weitere nette Sachen zu betrachten und natürlich zu erwerben, wenn es nach dem Wunsch der offensiv auftretenden Ladenbesitzer ginge.

Mit prall gefüllten Einkaufstaschen tranken wir im Anschluss eine Weile lang Tee, um am Abend genug Energie zum Fischessen und anschließenden Biertesten an der Uferpromenade zu haben. Unser Hotel lag lediglich 10 Fußminuten vom Meer entfernt – genau die richtige Länge, um nach einem Kneipenaufenthalt an der frischen Luft spazieren zu gehen, dachte ich, als wir in der Nacht durch windige, aber warme Straßen Richtung Hotel liefen.

Der nächste Tag begann mit der Entscheidung, endlich ein türkisches Hamam, das türkische Bad, zu besuchen. Wir folgten einer Empfehlung aus dem Reiseführer und hatten einige Probleme, das in einer kleinen Gasse in einem Hinterhaus versteckte Bad zu finden. Nach Betreten standen wir in einem großen Eingangsraum, der von hölzernen Umkleidekabinen umrandet war. Wir zahlten 20 Lira für das Komplettpaket Bad + Schrubbmassage + Schaummassage und folgten dem entspannt wirkenden Chef mit geschmeidiger Haut in das Bad, welches aus drei etwa 50 Quadratmeter großen Räumen bestand. Zu Beginn wurden wir in die Sauna geschickt und nach 10 Minuten herausgerufen, um die Schrubbmassage über uns ergehen zu lassen. Bei dieser schrubbte der türkische Masseur uns während wir auf einem steinernen „Altar“ lagen mit großer Sorgfalt die oberste Hautschicht vom Laib. Dies fühlte sich besser an als ich vermutet hatte nachdem ich Felix, der vor mir an der Reihe war, bei der Massage beobachtet hatte. Nachdem die grauen, toten, auf der Haut hängenden Hautfetzen unter einer eiskalten Dusche abgeduscht worden waren, war die Schaummassage an der Reihe, die vom Masseur zum Anlass genommen wurde, unsere Körper auf knackende Stellen zu überprüfen. Der Schaummassage folgte eine Gesichts- und Haarwäsche, die vom Masseur in der gewohnt beherzten Art vorgenommen wurde, welcher sich ein Bad im kalten Pool anschloss. Am Ende wurden wir in einige Handtücher gewickelt (Bild) und saßen nachdem wir uns wieder angezogen hatten völlig entspannt in der Eintrittshalle. Im Anschluss war es uns erst einmal nach Tee. So sauber habe ich mich noch nie in meinem Leben gefühlt! Wir haben beschlossen, in Ankara Hamam-Besuche zu einer Regelmäßigkeit werden zu lassen.

Den Rest des Tages verbrachten wir mit der Besichtigung der Ruinen eines alten griechischen Markts in der Innenstadt und mit einer Bootstour in einen anderen Stadtteil, in dem wir zu Abend aßen. Es gab verschiedene Fleisch-Kreationen auf Reis sowie die Teigschiffe „Pide“, mit Käse und Fleisch gefüllt. Während des Ramadan ist es allerdings schwierig, in einem guten Restaurant am Abend unterzukommen, da die halbe Türkei kurz nach Sonnenuntergang die Restaurants bevölkert, um sich bis zu später Stunde die vom Fasten geleerten Mägen wieder vollzuschlagen.

Der nächste Tag lag im Zeichen eines Spaziergangs auf eine Burg mitten in der Stadt. Die Viertel, die wir dorthin passierten waren überaus türkisch, wenn auch recht schmutzig und ein wenig runtergekommen. Schon nach wenigen Minuten des Spazierens konnten wir uns an der Begleitung einiger 3-7-jähriger Türken erfreuen, die geradezu heiß darauf waren, uns den Weg zur Burg zu zeigen. Zu unserer Überraschung führten sie uns tatsächlich zu unserem Ziel, von dem wir die wunderbare Aussicht über die ganze Stadt genossen und eine Fotosession mit einer großen Türkeiflagge veranstalteten (Fotokollage). Im Innenhof der Burg kam es schließlich zu einem Fußballspiel zwischen den Jungs unserer Gruppe gegen anfangs sieben und gegen Ende etwa 20 türkische Jungs, die wie wir hocherfreut über das interessante Spiel waren, das 5:4 für die Türkei endete. Der Köpereinsatz der türkischen Mannschaft auf dem vom Glasscherben übersäten „Spielfeld“ – inklusive Seitfallzieher – war beeindruckend. Im Anschluss an das Spiel tranken wir erst einmal einen Tee.

Zum Abschluss des Tages aßen wir Kumpir – gefüllte Ofenkartoffel – und genossen abschließend den Ausblick, den das Hilton-Hotel im 32.Stockwerk in der Nacht bot. Das dazugehörige Bier erwarben wir jedoch lieber am Kiosk und tranken es im Hotel. Ein Bier im Hilton hätte den Kioskpreis um das zehnfache überstiegen.

Am Dienstag Morgen fuhren wir in einem kleinen Bus etwa 100 Kilometer nach Süden in die Stadt Selcuk nahe der antiken Stadt Ephesus.

Reiseroute Beyram-Woche

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Samstag, 4. Oktober 2008

Dritte und Vierte Woche: 15.9. bis 26.9.

Die Akademie ruft!

Ich stecke nun wieder voll und ganz im Universitätsalltag. Meine Assignments, Hausaufgaben, Hausarbeiten und Literaturrecherche halten mich auf Trapp. Hier an der Bilkent University höre ich sechs Kurse von denen einer ein Türkischsprachkurs mit 5 Std. pro Woche ist. Ansonsten gibt es hier im Gegensatz zu Mannheim nur Vorlesungen und keine Tutorien oder Übungen. Diese werden dann informell von den Doktoranten der jeweiligen Lehrstühle angeboten.
Mit meinen Professoren bin ich durch die Bank zufrieden. Alle sprechen gutes Englisch und man merkt, dass die meisten in Amerika studiert haben und dort ihren Ph.D. (Doktortitel) erworben haben. Der Unterricht ist meist sehr interessant und nicht nur theoretisch ausgerichtet, denn die Professoren hier haben zumeist vorher auch für Wirtschaft, Regierung oder auf anderen Gebieten außer der Wissenschaft gearbeitet. Der Kurs besteht meist aus nicht mehr als 30 Teilnehmern, was eine direkte Mitarbeit sehr befördert und von den Professoren sehr eingefordert wird. In meinem kleinsten Kurs sind wir nur 12 Studenten und davon 3 internationale Studenten. Einige wenige Professoren halten teilweise auch nur ein oder zwei Kurse an der Uni und arbeiten Vollzeit in anderen Bereichen wie Türkische Zentralbank, Think Tanks oder in der Finanzbranche. Da macht sich bemerkbar, dass es sich bei der Bilkent University um eine Privatuniversität (in der Türkei oftmals besser ausgestattet und renommierter als staatliche Unis) handelt. Professoren haben hier mehr Freiheiten und müssen sich weniger als in Deutschland um formale Angelegenheiten kümmern. Mein Departmentcoordinator für Economics hat sich schon lustig gemacht, wie viele Unterschriften wir den noch für Learning Agreement, Certificat of Arrival usw. brauchen.

Meine Aufnahme bei meinen türkischen Kommilitonen und Professoren war sehr herzlich. Sie sind sehr an uns internationalen Studenten interessiert, so dass ich mich in der ersten Vorlesung vor versammeltem Auditorium erst mal vorstellen musste. Die Professoren haben mich richtig gelöchert, aber daran habe ich mich schon gewöhnt. Man fällt hier auch in der Türkei immer als Ausländer (gerade ich groß gewachsener Deutscher) auf und es kann passieren, dass man mal angestarrt wird.

Das Lernen hier an der Universität gestalten sich anders als in Mannheim. Hier muss ich jede Woche Essays (Hausarbeiten) schreiben. Meine Hausaufgaben gebe ich in der nächsten Vorlesung bei dem Professor ab, die von ihm korrigiert und benotet werden. Es kann passieren, dass wir aus dem stegreif Quizzes schreiben müssen, die auch benotet werden. Es wird alles dafür getan, dass man im Unterricht mit arbeitet und kontinuierlich lernt. So gibt es nicht nur eine Endklausur sondern je nach Fach auch 1-2 Midterm Klausuren die gut und gerne 1/3 der Abschlussnote ausmachen. In einem Fach muss ich am 25. Dezember(!) eine Präsentation halten und mich in der Gruppenarbeit mit türkischen Studenten beweisen.

Ich habe es sogar geschafft, mir die nötigen Bücher – die hier selten im Original erworben sondern lieber komplett für 6 Euro kopiert werden - zu besorgen. Hier wird viel Wert auf Literaturrecherche gelegt, so dass ich häufig in die Bibliothek renne oder Economic Papers im Copyshop ausdrucke.



Da an diesem Wochenende der Ramadan – der muslimische Fastenmonat – endet, ist die nächste Woche frei. Die Muslime feiern ihr Zuckerfest – das wohl bedeutendste und volkstümlichste Fest - genannt Bayram welches drei Tage lang andauert und im Kreis der Familie und Verwandten statt findet. Ich verreise am Abend des 26.9. mit Kommilitonen an das an der Westküste gelegene Izmir. Auf dem Rückweg möchten wir noch ein paar kleinere sehenswürdige Städte wie Ephesus und Pamukkale besichtigen. Wenn übernächste Woche die Vorlesungen weitergehen ist aufgrund der nahenden Mid-Term-Klausuren Ende Oktober einige Arbeit zu erwarten, so dass wir diese Woche sicherlich noch einmal richtig genießen werden. Zumal es mittlerweile in Ankara recht kühl geworden ist. Mittags im Sonnenschein ist es zwar noch sommerliche 25 Grad Celsius, abends kühlt es aber sehr stark ab.