Am Samstag den 30. August ging es nun endlich los. Mein Flug- und Zugticket war schon lange im Voraus gekauft, so dass ich mich nur noch um mein Gepäck zu kümmern hatte. Von Würzburg nahm ich den ICE nach München und von dort sollte es zum FJS Flughafen weiter gehen. Dort angekommen hat mich mein lb. Kommilitonen Felix aus Darmstadt gleich begrüßt, für den München schon der erste Zwischenstopp bedeutete. Gespannt auf unseren Auslandsaufenthalt rätselten wir was uns in dem nächsten halben Jahr alles erwarten wird.
Um Punkt 19.25 Uhr deutscher Zeit checkten wir in den Flug ein. Meine Aufgeregtheit konnte ich kaum noch zügeln, so dass ich meinen Nachbarn im Flugzeug mit meiner Lebensabschnittsgeschichte belästigte. Zu meiner Überraschung stellte sich heraus, dass er selbst Vollzeitstudent an der Bilkent Univeristy ist und seinen Ph.D. Abschluss als Ingenieur anstrebt. Er kam gerade von einer Konferenz aus Lausanne, Schweiz und bot uns an, uns mit an die Universität zu nehmen. Damit hatten wir nun unser Problem gelöst, wie wir vom Flughafen, ohne Türkisch zu sprechen, an die Universität kommen wollten. Es stellte sich dann heraus, dass es sinnvoll ist eine türkisch sprechenden Freund dabei zu haben, da in Ankara selbst Taxifahrer, Busfahrer oder Verkäufer kaum Englisch sprechen.
Wir kamen nun an unserer Universität, für die nächsten sechs Monate, um 01:00 Uhr türkischer Zeit an, welche eine Stunde früher als die Deutsche ist. Für die ersten zwei Wochen sollten Felix und ich in einem Doppelzimmer untergebracht werden. In unserem Dormitory 75 befanden sich alle International Exchange Students auf dem gleichem Flur, so dass man sich sehr leicht kennen lernen konnte. Wir sind ungefähr 70 Exchange Students aus aller Herren Länder. Ich habe die Ehre mit Amerikaner, Deutschen, Belgiern, Franzosen, Italienern, Griechen, Polen, Schweden, Dänen, Österreichern, Schweizern, Japanern, Chinesen, Iranern, Irakern, Armenen, Afghanen und noch viele Nationen mehr hier zu studieren.
Nachdem wir Sonntag nun lange ausgeschlafen hatten und uns von der Reise erholten, holten uns die BISC (Bilkent International Students Club) Studenten, jene die sich um uns 24/7 kümmern, ab. Es ging in ein typisches türkisches Restaurant auf dem Campus, bei dem man sich nun besser kennen lernen konnte. Danach organisierten wir ein Fußballspiel, welches unsere Kräfte rauben sollte, da ich nicht mit dieser Hitze hier in Ankara gerechnet habe. Es sollte die ersten drei Wochen weiter so warm bleiben und Höchstwerte von 30°C erreichen.
Sonntag Abends besorgten wir uns die ersten Lebensmittel und sonstigen Vorräte im Bilkent Center, welches Real, Praktiker, Elektrogeschäfte uvm. zu bieten hat. Für den späteren Abend trafen wir uns auf der Wiese vor dem Dormitiory der Mädels auf dem wir dann ein Picknick veranstalteten. Dort konnte man sich prima bei einem oder zwei Gläschen Wein unterhalten und Kontakte mit anderen Exchange Students knüpfen.
Das Preisverhältnis in der Türkei liegt mit dem Deutschen wohl gleich auf. Allerdings schwankt es sehr zwischen Stadtteilen, Städten, Touristengebieten und Geschäften. Im teueren Real vor unseren Campustoren bezahlt man für 1Liter Milch bspw. umgerechnet 1,20€. Alkoholische Getränke sind teuer, Kleider und Dienstleistungen (Männerhaarschnitt 5,70€) dafür günstiger.
Montag startete die Universität. Die erste Woche bekamen wir einen Türkisch Crash Kurs. Daneben wurden wir Montag morgens mit türkischem Frühstück begrüßt. Die ersten Formalitäten wurden erledigt und wir bekamen unsere Koordinatoren vorgestellt. Nachmittags nach 5 Stunden Türkisch fand eine Rundgang durch das Campusgelände statt. Es stellte sich dabei heraus, dass der Campus riesig ist, die Universität sehr neu und es tolle Sportanlagen gibt.
Die türkische Sprache ist für den Leihen schwer zu erlernen, da sie doch mit keiner romanischen oder germanischen Sprache verwandt ist. Somit erkennt man selbst einfache Vokabeln nicht, sondern muss sich erst mal auswendig lernen. Des weiteren gibt es natürlich "false friends" sogenannte "falsche Freunde" die in einer anderen Sprache ähnlich klingen, jedoch was völlig anderes meinen. So ist das türkische Wort "şarap" für Wein in der Aussprache dem Englischen "shut up" für "Halts Maul" einer dieser false friends. Des weitern gibt es noch Gestikulationen zu beachten, die für Missverständnisse sorgen können. Der Türke nickt schnell mit dem Kopf, wenn er nein sagen möchte. Darüber hinaus bildet er mit Zeigefinger und Daumen einen Kreis um seinen Gegenüber zu beleidigen, wohingegen wir Deutsche es als OK verstehen würden. Ich hoffe diese Fehler werden mir nicht unterlaufen.
Am Wochenende machen wir eine Exkursion in die alte Stadt Beypazari.
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