Samstag, 20. September 2008

Zweite Woche: 8.9. bis 14.9.

Mittlerweile wage ich eine erste Einschätzung der türkischen Kultur hier in Ankara. Ich bin sehr erstaut über die Liberalität der Türken. In Ankara selbst sehe ich kaum Frauen Kopftuch tragen. Es gibt auch einige dich sich nicht an das strenge Fasten des Ramadan (jetzt gerade im September) halten. Während des Ramadan soll der gläubige Muslim bei Tag nichts Essen und Trinken. Das bedeutet, dass viele Muslime um 5 Uhr aufstehen, essen und trinken so viel sie können und dann bis die Sonne unter gegangen ist wieder fasten. Nach meinen ersten Informationen tun sie dies, um zu erfahren, wie es ist, selbst arm zu sein. Ich halte es für bedenklich in so einem heißem Monat (Temperaturen bis 30°C) hier in Ankara während des Tages auf Wasser zu verzichten. Allerdings gibt es auch Ausnahmen für Kinder, Reisende, Kranke oder körperlich schwer arbeitende Menschen. Eindrucksvoll ist gerade die Disziplin mit der Muslime den Ramadan befolgen und bspw kurz vor Sonnenuntergang schon im Restaurant warten, aber keinesfalls mit dem Essen beginnen. Überrascht hat es mich, als mir einige International Students sagten, dass sie selbst, obwohl nicht Muslim, das Fasten im Ramadan ausprobieren möchten. Ein paar wenige mit Erfolg, viele die es abgebrochen haben. In diesem Jahr erstreckt sich der Ramadan über den Monat September. Dies verschiebt sich allerdings jedes Jahr um 10 Tage nach vorne, da der muslimische Kalender etwas kürzer ist.

Wenn man die Türkei besucht und sich wundert, wieso an jeder zweiten Häuserwand eine Türkeifahne hängt oder das Abbild Atatürks Häuserwände ziert, so lohnt es sich dem nachzugehen. Mustafa Kemal dem nach seinem Tode der Beiname Atatürk „Vater der Türken“ verliehen wurde, war der Begründer der modernen Türkei und erster Präsident der Republik Türkei. Der Offizier Atatürk führte sein Land in die Unabhängigkeit und sorgte für die Trennung von Religion und Staat. Er näherte sein Land dem Westen an, unternahm tiefgreifende Strukturreformen und bescherte somit der Türkei einen größeren Fortschritt als seinem muslimischen Nachbarländern. Daneben machte er aus militärisch und organisatorischen Gründen Ankara zur Hauptstadt der Türkei, obwohl Istanbul seit eh und je die ältere und größere Stadt ist. Er legte den ersten Baustein, damit die Türkei zur Brücke zwischen Christen und Muslimen wird. Atatürk wird deshalb so verehrt, weil er die Türkei in die Unabhängigkeit führte, ja erst die Republik Türkei gründete und seinem Land nachhaltigen Wohlstand bescherte. Heute zierte sein Bild jede Geldmünze und jeden Geldschein der türkischen Währung. In unzähligen Städten befinden sich Atatürk Statuen und in fast allen öffentlichen Gebäuden ist seine Büste zu finden. Noch heute steht es unter Strafe herabsetzend über Atatürk zu reden.

Daher besuchten wir am Dienstag das Atatürk Mausoleum. Dort liegt der Leichnam Atatürks begraben. Diese ganze Anlage ist schon sehr eindrucksvoll. Es stehen Ehrensoldaten an jedem Eingang und, ähnlich wie in London, rühren sich den ganzen Tag nicht. Zwischen den riesigen Steinen im Boden wurde extra mehr Platz gelassen, damit man seinen Kopf senken muss um aufzupassen wo man hin tritt. Damit wird erreicht, dass nach unten sieht und somit symbolisch Atatürk gedenkt.

Die zweite Woche war stark von organisatorischen Erledigungen geprägt. Wir sprachen mit dem Direktor der Wohnheime über Regeln und Pflichten. Der Leiter des Computernetzwerk erklärte uns, was für dürfen und lieber sein lassen sollten. Unsere Coordinators erzählten uns alles wichtige für das Leben auf dem Campus und halfen uns beim Formularausfüllen für zig Anträge und Genehmigungen wie z.B. für die Aufenthaltserlaubnis in der Türkei.

Mittwoch besuchten wir das Museum für Anatolische Zivilisation, in dem wir mehr über die lange Geschichte dieses alten Landes erfuhren. Danach ging es in die Altstadt von Ankara und dort besuchten wir die Schlossruinen von dem man eine wunderbare Aussicht auf die ganze Stadt hatte. Abends gab es einen Workshop „Turkey’s foreign and security policies“ mit dem Professor aus dem Fachbereich International Relations.

Unter der Woche trafen wir uns mit unsrem Koordinator des Department Economics und besprachen mit ihm alle wichtigen und formalen Angelegenheiten. Der Universitätsbetrieb beschränkt sich glücklicherweise noch auf Einführungsveranstaltungen, die Beschaffung von Lehrbücher, Economic Papers und Lehrmaterial, sowie den Ablauf und Prüfungsmodalitäten der einzelnen Kurse kennen zu lernen und natürlich Türkisch lernen.

Der Freitag Vormittag ging ausschließlich für die Aufenthaltsgenehmigung drauf, die wir im Polizeipräsidium in Ankara beantragen mussten. Das heißt lange warten und anstehen!

Als Lohn für diese anstrengende Woche startet Freitag Abends unsere Exkursion nach Kas ans Mittelmeer.

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