Freitag, 10. Oktober 2008

Beyram Woche / Zuckerfest - Teil I: Izmir

Beyram Woche / Zuckerfest

Teil I: Izmir

Es gab zwar diese Woche Uni-technisch einiges aufzuholen, aber die letzte Woche war es alle mal wert. Wir starteten in unsere Westküstenreise am Freitag (26.9.) nachts. Mit dem günstigen (ca. 22 Euro) und „bequemen“ Reisebus ging es ans 9 Std. entfernte Izmir.

Ohne einen großen Plan vorgenommen zu haben starteten wir 9 Austauschstudenten mit der Absicht Izmir, Ephesus und Pamukkale unsicher zu machen. Die Gesamtdauer der Busfahrten betrug etwa 23 Stunden. Auf unten zu sehender Karte habe ich unsere Route eingezeichnet (etwa 2000 km).

Freitag, 26.9, 22.45 Uhr: Wir steigen in den Bus, der uns von den Wohnheimen zum großen Bus-Terminal in Ankara bringen wird. Er ist brechend voll, auch deshalb, weil jeder Mitfahrer zusätzlichen Platz für sein Gepäck benötigt. Denn auf Reisen sind nicht nur wir, sondern auch viele Türken, die über das große Bayram-Zuckerfest (das zweitheiligste Fest im Islam) nach Hause fahren, um mit ihren Familien zu feiern.

Der Asti-Busterminal, den wir gegen 23.10 Uhr erreichen, ist ebenso zum Platzen mit Menschen gefüllt. Das riesige, imposante Gebäude, mit zwei Ebenen, auf denen pausenlos Reisebusse ankommen und abfahren ist ein einziger Wuselhaufen voller Reisender, Kioskbetreiber und Angestellter von Busgesellschaften, die versuchen, ihre Restfahrkarten durch laute verbale Werbung an den Mann zu bringen. In der Türkei ist der Bus das wichtigste Verkehrsmittel für Langstreckenreisen, was die Ausmaße des Busbahnhofs begründet. Im Inneren des Gebäudes befinden sich Anzeigetafeln wie in Flughäfen und hunderte kleine Schalter von Busgesellschaften. Dazu nicht nur unzählige Kiosks, sondern auch andere Läden aller Art – vom Buchhandel bis zum Süßwarenspezialisten.

Unserem lobenswerten Orientierungssinn sei Dank finden wir bereits nach wenigen Minuten Marsch durchs Gedränge Abfahrtstor 138. Zumindest ein Teil unserer Gruppe. Der andere wartet seelenruhig vor Tor 38, bis er – durch einen Anruf vom anderen Teil dazu ermuntert – ebenfalls den Weg zu Tor 138 auf sich nimmt, um gerade noch rechtzeitig den Reisebus nach Izmir zu besteigen. Die Busfahrkarte nach Izmir ist unsere einzige Reiseplanung – auf ins Abenteuer!

Die Reise, die so begonnen hatte ging folgendermaßen weiter. Samstag morgen gegen acht Uhr kamen wir in Izmir an und befanden uns erneut in einem großen Busterminal. Der türkischen Lebensweise folgend setzten wir uns erst einmal in ein nahe liegendes Café, tranken Tee und überlegten unser weiteres Vorgehen, während wir unsere Reiseführer durchstöberten. Die Hotels, die unseren Preisvorstellungen entsprachen befanden sich alle im Stadtteil Besmane. Der Weg dorthin war einfach. Denn der Cafékellner führte uns einem seiner Freunde, der Busunternehmer ist und uns in den richtigen Linienbus setzte. In Besmane selbst hatten wir viele kleine Absteigen zur Auswahl. Wir entschieden uns für diejenige, die im Reiseführer empfohlen war („Billig, aber ohne Haken“). Sie lag in einem kleinen Altbau, die Decken in den Zimmern waren fünf Meter hoch und die Einrichtung erinnerte eher an eine schlecht gepflegte Studenten-WG als an ein Hotel. Bei dem Preis (15 Lira = 8 Euro pro Nacht) war uns das gleichgültig. Auch auf warmes Wasser ließ sich drei Tage lang hervorragend verzichten, wie wir am Ende unseres Aufenthalts in Izmir befanden.

Unsere erste Unternehmung war ein ausführlicher Besuch des Basar-Viertels, das direkt um die Ecke lag. Izmir ist trotz seiner Größe wenig touristisch geprägt, was dem Basar nur gut tut. Es gab nämlich neben den üblichen touristischen Einheitssouvenirs viele weitere nette Sachen zu betrachten und natürlich zu erwerben, wenn es nach dem Wunsch der offensiv auftretenden Ladenbesitzer ginge.

Mit prall gefüllten Einkaufstaschen tranken wir im Anschluss eine Weile lang Tee, um am Abend genug Energie zum Fischessen und anschließenden Biertesten an der Uferpromenade zu haben. Unser Hotel lag lediglich 10 Fußminuten vom Meer entfernt – genau die richtige Länge, um nach einem Kneipenaufenthalt an der frischen Luft spazieren zu gehen, dachte ich, als wir in der Nacht durch windige, aber warme Straßen Richtung Hotel liefen.

Der nächste Tag begann mit der Entscheidung, endlich ein türkisches Hamam, das türkische Bad, zu besuchen. Wir folgten einer Empfehlung aus dem Reiseführer und hatten einige Probleme, das in einer kleinen Gasse in einem Hinterhaus versteckte Bad zu finden. Nach Betreten standen wir in einem großen Eingangsraum, der von hölzernen Umkleidekabinen umrandet war. Wir zahlten 20 Lira für das Komplettpaket Bad + Schrubbmassage + Schaummassage und folgten dem entspannt wirkenden Chef mit geschmeidiger Haut in das Bad, welches aus drei etwa 50 Quadratmeter großen Räumen bestand. Zu Beginn wurden wir in die Sauna geschickt und nach 10 Minuten herausgerufen, um die Schrubbmassage über uns ergehen zu lassen. Bei dieser schrubbte der türkische Masseur uns während wir auf einem steinernen „Altar“ lagen mit großer Sorgfalt die oberste Hautschicht vom Laib. Dies fühlte sich besser an als ich vermutet hatte nachdem ich Felix, der vor mir an der Reihe war, bei der Massage beobachtet hatte. Nachdem die grauen, toten, auf der Haut hängenden Hautfetzen unter einer eiskalten Dusche abgeduscht worden waren, war die Schaummassage an der Reihe, die vom Masseur zum Anlass genommen wurde, unsere Körper auf knackende Stellen zu überprüfen. Der Schaummassage folgte eine Gesichts- und Haarwäsche, die vom Masseur in der gewohnt beherzten Art vorgenommen wurde, welcher sich ein Bad im kalten Pool anschloss. Am Ende wurden wir in einige Handtücher gewickelt (Bild) und saßen nachdem wir uns wieder angezogen hatten völlig entspannt in der Eintrittshalle. Im Anschluss war es uns erst einmal nach Tee. So sauber habe ich mich noch nie in meinem Leben gefühlt! Wir haben beschlossen, in Ankara Hamam-Besuche zu einer Regelmäßigkeit werden zu lassen.

Den Rest des Tages verbrachten wir mit der Besichtigung der Ruinen eines alten griechischen Markts in der Innenstadt und mit einer Bootstour in einen anderen Stadtteil, in dem wir zu Abend aßen. Es gab verschiedene Fleisch-Kreationen auf Reis sowie die Teigschiffe „Pide“, mit Käse und Fleisch gefüllt. Während des Ramadan ist es allerdings schwierig, in einem guten Restaurant am Abend unterzukommen, da die halbe Türkei kurz nach Sonnenuntergang die Restaurants bevölkert, um sich bis zu später Stunde die vom Fasten geleerten Mägen wieder vollzuschlagen.

Der nächste Tag lag im Zeichen eines Spaziergangs auf eine Burg mitten in der Stadt. Die Viertel, die wir dorthin passierten waren überaus türkisch, wenn auch recht schmutzig und ein wenig runtergekommen. Schon nach wenigen Minuten des Spazierens konnten wir uns an der Begleitung einiger 3-7-jähriger Türken erfreuen, die geradezu heiß darauf waren, uns den Weg zur Burg zu zeigen. Zu unserer Überraschung führten sie uns tatsächlich zu unserem Ziel, von dem wir die wunderbare Aussicht über die ganze Stadt genossen und eine Fotosession mit einer großen Türkeiflagge veranstalteten (Fotokollage). Im Innenhof der Burg kam es schließlich zu einem Fußballspiel zwischen den Jungs unserer Gruppe gegen anfangs sieben und gegen Ende etwa 20 türkische Jungs, die wie wir hocherfreut über das interessante Spiel waren, das 5:4 für die Türkei endete. Der Köpereinsatz der türkischen Mannschaft auf dem vom Glasscherben übersäten „Spielfeld“ – inklusive Seitfallzieher – war beeindruckend. Im Anschluss an das Spiel tranken wir erst einmal einen Tee.

Zum Abschluss des Tages aßen wir Kumpir – gefüllte Ofenkartoffel – und genossen abschließend den Ausblick, den das Hilton-Hotel im 32.Stockwerk in der Nacht bot. Das dazugehörige Bier erwarben wir jedoch lieber am Kiosk und tranken es im Hotel. Ein Bier im Hilton hätte den Kioskpreis um das zehnfache überstiegen.

Am Dienstag Morgen fuhren wir in einem kleinen Bus etwa 100 Kilometer nach Süden in die Stadt Selcuk nahe der antiken Stadt Ephesus.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo Christian

ist echt schön zu lesen was du alles schreibst und zeigt mir das du eine schöne gesellige zeit in der Türkei hast.

MfG

Christoph Staat