Das Mittelmeer leuchtete in blauen Farbtönen. Doch beim Anblick einiger Austauschstudenten hatte der geneigte Beobachter eher den Eindruck, sich am Roten Meer zu befinden.
Mit diesem Wortwitz habe ich - wie ich meine - einen guten Einstieg in diesen Bericht über ein wunderschönes Wochenende gefunden.
Vergangenen Freitag brachen wir des Abends mit zwei Bussen – besetzt mit 60 Austauschstudenten und 10 BISC (Bilkent International Students Club) Mitgliedern - zu einer Nachtbusfahrt in Richtung türkischer Südküste auf. Sehr zur Zufriedenheit aller war das Gerücht, die Fahrt benötige 12 Stunden, nicht wahr – wir erreichten unser Ziel bereits nach 10 Stunden. Wir traten schlaftrunken – bzw. die Italiener nur trunken – in aller Dunkelheit aus dem Bus, um zu erfahren, dass wir zum einchecken in das Hotel zu früh waren. Gottseidank konnten wir es uns auf den Liegestühlen am Hotelsteg gemütlich machen. Als ich nach einem etwa zweistündigen Schlaf auf einer jener Liegestühle erwachte, sah ich um mich. Es war hell, vor mir sah ich das Meer in helles Morgenlicht getaucht – und um mich herum saßen Austauschstudenten, die sich wie ich verschlafen und verwundert die Augen rieben. „Das ist Urlaub!“ hörte ich mich denken.
Schon kurz nach Sonnenaufgang war es sehr warm. Nachdem unsere Zimmer bezogen waren genossen wir den Vormittag im Meerwasser oder schlafend am Hotelsteg. Einen Strand gab es leider nicht. Schön war es aber dennoch an dieser Felsenküste. Den Nachmittag nutzte ich, um mit Felix das schöne Kas [Kasch] zu ergründen. Das kleine Städtchen ist durchaus touristisch geprägt, jedoch in einem sehr angenehmen Maße. Pauschaltouristen mit kurzen Hosen und stillosen Hemden findet man hier kaum. Dafür einige nette Restaurants, in denen die Bestellung auch auf englisch oder deutsch erfolgen kann, sowie einige nette Läden, die allerlei mehr oder weniger unnützes Zeug verkaufen. Die Hitze ließ uns unseren Bewegungsradius jedoch recht klein ausfallen. Wir bevorzugten im Anschluss an das Mittagessen ein kühles Getränk im Schatten gegenüber einem ausgedehnten Spaziergang durch die hügelige Stadt.
Am Abend traf sich die komplette Bilkent-Gruppe in einem netten Club mit Dachterrasse, um in den tiefen der Nacht zu versinken. Besonders Phillip aus Heidelberg sowie Brian und Omar aus Kalifornien erheiterten die Gruppe. Sie verzichteten aufgrund der Reise und des heißen Wetters auf ihr Ramadan-Fasten und entpuppten sich plötzlich als wahre Energiebündel.
Der nächste Tag begann für mich mit dem Einblick einiger etwas mitgenommener Gesichter beim gemeinsamen Frühstück. Jedoch hatte ich nicht das Gefühl, aus der Reihe zu fallen. Nach einer kurzen Busfahrt erreichten wir noch am Vormittag eine kleine Bucht, von der aus wir mit zwei Booten zu einer wunderschönen Bootstour aufbrachen – dem Höhepunkt des Wochenendes. An verschiedenen Stellen legten wir Badepausen ein. An der einen war das Wasser glasklar, in einer anderen blau und warm und in einer dritten an der Oberfläche aufgrund einer nahe gelegenen Süßwasserquelle weder warm noch salzig. Während dieser Badeaufenthalte überboten sich die Jungs mit verrückten Sprüngen vom Boot – und auch die Schwimmversuche einiger Nichtschwimmer auf türkischer und iranischer Seite boten Anlass zu Heiterkeit, die ohnehin den ganzen Tag durchsetzt hatte. Auf den Booten wurde zudem von den Garcons Essen gegrillt und kühles Bier serviert. Für die nordischen Typen unter den Austauschstudenten wie Felix gab es gar schattige Plätze auf dem obersten Deck mit wunderbarer Aussicht – was ihn nicht davor rettete völlig rot anzulaufen – trotz regelmäßigen Auftragens von Markensonnencreme. Nach einem Aufenthalt in einem kleinen Fischerdorf, in dem wir mit dem angeblich besten Eis der Türkei verkostet wurden fuhren wir von diesem schönen Tag beseelt dem Sonnenuntergang entgegen und erreichten nach Einbruch der Dunkelheit Kas. Erschöpft vom ausgiebigen Sonnenbaden und Schwimmen fiel der Abend ein wenig ruhiger als der vorige aus, was jedoch nicht auf Seite unserer beiden italienischen Austauschstudenten Giulio und Enrico zu vernehmen war, die sich alle Mühe gaben, die müden Deutschen und Dänen anzuheizen.
Der Montag stand im Zeichen der Rückfahrt nach Ankara. Diesmal bei Tag. Mit dem guten Gewissen, unsere Vorlesungen am Montag für zwei wunderschöne Tage am Meer verpasst zu haben kamen wir gegen Mitternacht wohlbehalten auf dem Campus der Bilkent-Universität an.
Ich hoffe, Ihr konntet beim Lesen dieses Berichts wenigstens ein Wenig nachvollziehen, wie gut mir dieses Wochenende gefallen hat. Nun ist genug Energie getankt um weiter zu studieren.
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